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Hickman

15. November 2012

Moin,

da haben wir ihn also, den ungeliebten geliebten Katheter. Geliebt, weil er uns in den nächsten 5 – 10 Wochen hilft, dass Junior nicht dauernd gestochen werden muss. Gehasst, weil er als Fremdkörper aus ihm herausschauen wird und zumindest die nächsten 14 Tage extrem viel und danach zumindest viel Aufmerksamkeit verlangen wird.

Am schlimmsten ist, dass das Ding seine Krankheit nach außen sichtbar macht und uns somit die ganze Zeit vor Augen führt, dass da etwas ist. Klar auch sonst sehen wir das, aber wenn der Kleine etwas wackelig ist, kann man das recht einfach ausgleichen – man ist halt einfach für den Junior da und hält ihn wenn er stolpert. Dieser Katheter der da aus ihm rausschaut, macht uns auf unangenehme Weise sehr bewusst, dass neben ihm stehen nicht ausreichen wird.

Junior im Aufwachraum.

Wie üblich ist der Kleine unanständig schnell auf den Beinen. Wir waren eine Stunde bei ihm im Aufwachraum. Hölle, sein erstes bewusst geäußertes Wort: „dunder“. Der Kleine konnte kaum den Kopf halten und mehr als „runter“ fällt ihm nicht ein. … jetzt heul ich grad beim Schreiben .. bis gleich ….

Leider verzögert sich die Therapie um weitere 4 Tage. Tübingen ist ziemlich voll und hat um Verschiebung gebeten. Wir werden als mit Junior erst am Dienstag dort auftauchen und  – so zwischendurch nichts anderes herauskommt – auch am Dienstag die erste Chemo bekommen.

Jeder Tag Verzögerung bringt uns leider Gottes näher an die Tatsache, dass der zweite Block N4 vielleicht in der Weihnachtswoche gegeben werden muss. Die Schwiegerleute haben zwar zugesagt, notfalls hier zu uns zu kommen (immerhin 400 km), aber den Rest der Familie, insbesondere meine Schwestern und meine Oma (87) können aus gesundheitlichen Gründen leider nicht kommen.

Die zwei traurigen Schwestern können wir nachholen, selbst mit all den Schwierigkeiten die sie durchmachen (die eine kämpft seit 4 Jahren mit ihrem Krebs, die andere mit ihrer dissoziativen Identitätsstörung (jaja , die Traurigen suchen sich nix einfaches raus)), die Oma aber wohl eher nicht. Sie ist noch sehr klar, aber leider körperlich schon sehr gebrechlich. Daher könnte jeder Anruf oder Besuch der letzte sein. Da die Balance zwischen eigener Befindlichkeit und angemessenem Rahmen zu finden fällt uns recht schwer. Sich später zu sagen, dass man bei „dem“ Gespräch zu viel der eigenen Emotionalität in den Vordergrund geworfen hat, macht es schwierig. Ja, wir sollten derzeit eher an uns denken, doch aus unserer Familie sind genug Mitglieder eher plötzlich ausgestiegen, so dass wir bei den Menschen die uns da wichtig sind und bei denen wir absehen können, dass wir nicht mehr viele Möglichkeiten haben werden uns angemessen zu verabschieden, einfach empfindlicher sind.

Zurück zu allgemeinem rund um die Therapie:

Auch wenn ich ihn nicht beim Namen nennen werde, hier mal ein extremes Riesenlob an meinen Arbeitgeber: Ich darf jeden Tag, den wir brauchen bei meinem Kind verbringen. Wenn es nach Tübingen geht, werde ich freigestellt, wenn es zum Katheter legen ging wurde ich freigestellt, wenn wir irgendwie Zeit brauchen werde ich freigestellt. All dass, ohne dass ich mir Gedanken um meinen Job machen muss oder dass das irgendwelche finanziellen Nachteile für mich hätte. Klar wird das irgendwann eingefordert, aber Scheiße nochmal: wenn das irgendwann rum ist, werde ich arbeiten als hätte ich kein Zuhause wenn dass denn notwendig sein sollte. Derzeit ist es einfach extrem beruhigend, wenn man sich an der Front so gar keine Gedanken machen muss. Daher: DANKE!

Sodele: ein N4 Block geht über 8 – 10 Tage. Danach kommen 2 – 3 Wochen Erholung und danach kommt der nächste Block. Je nachdem wie sich der Kleine erholt, also kurz vor oder genau an Weihnachten.

Was uns gut Hoffnung gibt: wenn nur der Tumor da wäre, würden wir in die „wir beobachten“ Gruppe einsortiert werden. D.h. der Tumor selbst ist ob seiner genetischen Ausprägung eher harmlos.  Da er gleichzeitig sehr gut auf Chemotherapien anspricht, sind wir ganz guter Hoffnung, ihn zumindest innerhalb des nächsten Jahres loszuwerden.. ob wir damit auch das OMS in den Griff bekommen ist leider eher zweifelhaft. Aber hey … jede Woche gewinnt wer im Lotto .. so viel unwahrscheinlicher ist unsere Situation auch nicht.

Da wir demnächst nach Tübingen zur Chemo müssen, werde ich mich wohl die nächste Woche eher nicht  und wenn, dann nur sehr kurz melden.

Drückt weiter die Daumen und Danke für all den Zuspruch.

Gruß
derTraurige

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8 Kommentare
  1. Kirstin permalink

    Guten morgen Euch drei da drüben.
    Klar ist Weihnachten markant vom Tag her, doch he.. wer verbietet es das Fest mit den lieben vorher bzw danach zu feiern? Und wenn ihr im Juli (jetzt übertrieben) um den Tannenbaum rennt, egal .. ihr seid zusammen und wollt das dann auch so. Genießt die Zeit dann um neue Kraft zu schöpfen aus diesem moment des zusammenhaltes.
    Meine Mutter saß eine komplette Stunde mit mir zusammen am Tisch zu meinem Geburtstag, obwohl es ihr schlecht ging. DAS war mein größtes Geschenk an dem Tag.
    Du wirst wissen was ich meine. 🙂

    • Moin,

      eine gute Idee und auch recht ähnlich unserer Situation.
      Zur guten Idee: Weihnachten nachzufeiern klingt super. Werden wir mit den traurigen Schwestern auf alle Fälle so machen. Danke 😉

      Zur ähnlichen Situation: Schwiegermutter hatte von 8 Jahren einen Schlaganfall, der sie immer noch einschränkt. Von daher wissen wir sehr gut um die Opfer die andere für uns bringen. Es ist schön zu wissen, dass da wer für uns an seine Grenzen geht.

      Wird schon.

      Gruß
      derTraurige

  2. hajo permalink

    zuerst einmal gehört ein Dank an „den Arbeitgeber“. Ich willl gar keine Spekulationen auslössen, aber „so ein Verhalten“ ist nicht selbstverständlich!
    der traurige: natürlich ist es kein Trost, aber es muss ja auch mal gesagt werden.
    Ich bin bei Euch
    Gruß
    Hajo

    • Moin,

      ist schon ein Trost. Klar wissen wir, dass das Ganze natürlich nicht uneigennützig passiert. Schließlich spricht sich natürlich rum, dass der olle Traurige „frei“ bekommt und klar wirft das ein gutes Licht auf den Arbeitgeber, und klar wissen wir auch, dass unser AG damit einer Krankschreibung von mir vorbeugt. Trotzdem ist es natürlich ein geiles Gefühl, wenn einem nach so langer Zeit in der Firma nicht eine Diskussion sondern ein „mach Junge, wir stehen bei dir“ entgegen kommt.

      Ich habe ehrlich gesagt nicht danach gefragt, mein Chefchef kam einfach nur zu mir und hat mir diese Möglichkeit gegeben. Und gerade dieses auf mich zukommen war es, dass so richtig beruhigt hat.

      Gruß
      derTraurige

  3. Blogolade permalink

    Alles Gute für die nächste Woche. Super dass du so einen tollen Chef hast!

  4. Alle permalink

    Hey Trauriger
    Was brauchst du? Wie kann man dich/euch unterstützen?
    LG alle

    • Mitlesen, Daumendrücken. Daumendrücken für Sekundärbedürfnisse 😉 … durch die Verschiebung ist mein Zimmer in Tübingen vermietet. Derzeit habe ich nur von Dienstag auf Mittwoch eine Bleibe. Drücken wir mal die Daumen, dass für den Rest der 8 – 10 Tage noch was frei wird.

  5. Wenn Daumendrücken hilft, dann jederzeit gern.

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